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Präsentismus: Warum anwesend nicht gleich produktiv bedeutet

Präsentismus, das Arbeiten trotz Krankheit, schadet Mitarbeitern und Unternehmen. Erfahren Sie die Ursachen, Folgen und wie eine gesunde Arbeitskultur und EAPs helfen können.

11. März 2026
4 Min. Lesezeit

Präsentismus: Warum anwesend nicht gleich produktiv bedeutet

Anwesenheitspflicht im Kopf: Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erscheinen auch dann im Büro oder loggen sich ins Homeoffice ein, wenn sie sich krank fühlen. Dieses Phänomen, bekannt als Präsentismus, ist weit mehr als nur ein Zeichen von übersteigertem Pflichtbewusstsein. Es ist ein ernstzunehmendes Problem für die psychische und physische Gesundheit der Beschäftigten und verursacht in Unternehmen erhebliche wirtschaftliche Schäden.

Was genau ist Präsentismus?

Präsentismus beschreibt die Handlung, zur Arbeit zu gehen, obwohl man aus gesundheitlichen Gründen eigentlich nicht in der Lage dazu ist. Die Betroffenen sind zwar physisch anwesend, ihre Leistungsfähigkeit ist jedoch stark eingeschränkt. Eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) aus dem Jahr 2024 ergab, dass 63 Prozent der Befragten trotz Krankheitssymptomen arbeiten gehen [1]. Dies verdeutlicht, dass Präsentismus kein Randphänomen, sondern ein tief in der modernen Arbeitswelt verwurzeltes Problem ist.

Die treibenden Kräfte hinter dem Präsentismus

Die Gründe, warum Menschen krank zur Arbeit gehen, sind vielschichtig und lassen sich in zwei Hauptkategorien einteilen: individuelle und organisationale Faktoren.

Zu den individuellen Faktoren zählen die Sorge vor einem Arbeitsplatzverlust, ein ausgeprägtes Pflichtgefühl gegenüber dem Team oder die Befürchtung, dass die eigene Arbeit liegen bleibt und sich zu einem unüberwindbaren Berg auftürmt. Insbesondere in wirtschaftlich unsicheren Zeiten wächst der Druck, als unverzichtbar und stets einsatzbereit zu gelten.

Auf der organisationalen Ebene spielen die Unternehmenskultur und die Arbeitsorganisation eine entscheidende Rolle. Ein Mangel an klaren Vertretungsregelungen, eine konstant hohe Arbeitsbelastung und unrealistische Terminvorgaben fördern Präsentismus. Wenn eine Kultur herrscht, in der ständige Anwesenheit mit Engagement gleichgesetzt wird und Führungskräfte selbst krank zur Arbeit kommen, wird dieses Verhalten zur ungeschriebenen Regel.

Die weitreichenden Folgen: Ein Risiko für alle Beteiligten

Die Konsequenzen von Präsentismus sind gravierend – sowohl für die Mitarbeitenden selbst als auch für das gesamte Unternehmen.

Gesundheitliche Risiken für Mitarbeiter

Wer seinem Körper bei Krankheit keine Zeit zur Regeneration gibt, riskiert eine Verschleppung der Erkrankung und deren Chronifizierung. Ein einfacher Infekt kann sich so zu einer ernsthaften, langwierigen Krankheit entwickeln. Besonders alarmierend sind die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Der ständige Druck, trotz Unwohlsein funktionieren zu müssen, führt zu Stress, innerer Unruhe und kann das Risiko für Burnout und Depressionen signifikant erhöhen [2]. Schlafstörungen und eine allgemeine Erschöpfung sind häufige Begleiterscheinungen.

Wirtschaftliche Schäden für Unternehmen

Die Annahme, dass ein anwesender Mitarbeiter immer besser ist als ein fehlender, ist ein Trugschluss. Studien belegen, dass die durch Präsentismus verursachten Produktivitätsverluste die Kosten von krankheitsbedingten Fehltagen (Absentismus) bei weitem übersteigen können. Kranke Mitarbeiter sind unkonzentrierter, machen mehr Fehler und benötigen für ihre Aufgaben deutlich mehr Zeit. Zudem steigt das Risiko für Arbeitsunfälle. Nicht zu vergessen ist die Ansteckungsgefahr, die zu einer Krankheitswelle im gesamten Team führen kann.

Der Ausweg: Eine Kultur der Gesundheit und die Rolle des EAP

Präsentismus ist kein unabwendbares Schicksal. Unternehmen und Führungskräfte haben es in der Hand, eine Kultur zu etablieren, in der Gesundheit an erster Stelle steht.

Verantwortung der Führungskräfte

Führungskräfte sind der Schlüssel zur Veränderung. Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen und bei eigener Krankheit konsequent zu Hause bleiben. Eine offene, vertrauensvolle Kommunikation, in der Mitarbeitende ohne Angst über Belastungen sprechen können, ist essenziell. Klare Krankheitsrichtlinien und funktionierende Vertretungsregelungen nehmen den Druck vom Einzelnen. Flexible Arbeitsmodelle und eine realistische Aufgabenplanung tragen ebenfalls dazu bei, Präsentismus zu reduzieren.

Die Unterstützung durch ein Employee Assistance Program (EAP)

Hier kommen Programme zur Mitarbeiterunterstützung wie das Employee Assistance Program (EAP) von be-Mindly ins Spiel. Ein EAP bietet eine vertrauliche und professionelle Anlaufstelle für Mitarbeitende, die mit beruflichen oder privaten Herausforderungen konfrontiert sind. Ob Stress, Überforderung, psychische Belastungen oder familiäre Sorgen – die externen Beraterinnen und Berater eines EAP unterstützen dabei, Lösungen zu finden, bevor diese zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.

Ein EAP kann zudem Führungskräfte dabei schulen, Anzeichen von Überlastung und Präsentismus im Team frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Es ist ein proaktives Instrument der betrieblichen Gesundheitsförderung, das nicht nur dem Einzelnen hilft, sondern die gesamte Unternehmenskultur positiv beeinflusst.

Fazit: Umdenken für eine gesunde Arbeitszukunft

Präsentismus ist ein klares Warnsignal dafür, dass die Balance zwischen den Anforderungen der Arbeit und dem Wohlbefinden der Mitarbeitenden gestört ist. Es ist an der Zeit, Anwesenheit nicht länger mit Produktivität gleichzusetzen. Eine Arbeitskultur, die auf Vertrauen, Flexibilität und der Wertschätzung von Gesundheit basiert, ist nicht nur menschlicher, sondern auch wirtschaftlich klüger. Die Investition in präventive Maßnahmen und Unterstützungsangebote wie ein EAP zahlt sich langfristig aus – in Form von gesünderen, motivierteren und leistungsfähigeren Mitarbeitenden.


Referenzen

[1] Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB). (2024). DGB-Index Gute Arbeit. [Online]. Verfügbar unter: https://www.dgb.de/ [2] DAK-Gesundheit. (2025). Präsentismus: Risiken und Folgen für deine Gesundheit. [Online]. Verfügbar unter: https://www.dak.de/dak/gesundheit/koerper-seele/work-life-balance/praesentismus_132216

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